Liebe Forumleser, ich habe die Bitte, von Experten/Teilnehmern des Forums Informationen oder Erfahrungsberichte zu bekommen, um mich auf ein Gespräch mit meinem Zahnarzt möglichst gut vorzubereiten und die richtige Entscheidung zu treffen. Vorab muss ich sagen, dass ich gerade die Zahnarztpraxis gewechselt habe und zu dem neuen Zahnarzt (der auch fachlich ein hohes Ansehen genießt) großes Vertrauen habe. Es geht mir mit der Frage lediglich darum, nicht „blind“ zu vertrauen, sondern mit eigenem Verständnis die richtige Entscheidung zu treffen. Die Diagnose ist wie folgt: Ab Zahn 5 sollen meine Zähne mit Teilkronen versorgt werden, weil sie große Füllungen haben und tlw. wurzelbehandelt sind bzw. noch werden. Unten rechts trage ich eine Brücke, die soll entfernt und ersetzt werden durch ein Implantat und entsprechende Kronen. Bis dahin ist für mich alles verständlich, akzeptabel und sinnvoll. Um diese Behandlung möglichst gut machen zu können, möchte mein Zahnarzt zusätzlich das Zahnfleisch operieren. Er meinte, ich hätte recht kleine Zähne und beim Aufbringen von Teilkronen bliebe zu wenig Platz zwischen zahnärztlichem Material und Zahnfleisch, so dass die Gefahr bestehen würde, dass sich das Zahnfleisch über Zeit zurückbildet. Probleme mit dem Zahnfleisch oder Neigung zu Parodontitis habe ich nicht. Das Zahnfleisch soll aufgeschnitten und der Knochen abgeschliffen werden, damit mehr Platz da ist. Es geht um zwei Operationen, einmal Oberkiefer einmal Unterkiefer, jeweils ca. 3 Stunden. Bei der Gelegenheit soll auch das Implantat gesetzt werden. Meine Fragen: · Ist sowas üblich, habe noch nie davon gehört/gelesen? · Muss das wirklich sein oder ist es eher Perfektionsdrang, der nicht nötig ist? · Was kommt da auf mich zu (Schmerzen etc.)? · Hält diese Maßnahme dann auch langfristig? · Hat jemand sowas schon mal gehabt und kann berichten, wie es war? Ganz herzlichen Dank für alle Antworten Mfg, Petra
Hallo Petra,
Frage 1: Dies ist nicht unbedingt die Standardversorgung.
Frage 2: Möchte ich gerne hinten anstellen
Frage 3: Die Beschwerden sollten sich einigermaßen im Rahmen halten, die erste Woche macht allerdings das essen nicht umbedingt viel Spaß.
Frage 4: Die durchschnittliche Haltbarkeit liegt bei ca. 10 bis 15 Jahren bei schlechter Zahnsubstanz oder sehr großen Versorgungen kann es auch mal weniger sein. Das angestrebte Ziel liegt meist bei 20 Jahren und mehr.
Frage 5: In dem Umfang ahb ich das auch noch nicht durchgeführt.
So kommen wir zur Frage 2: Ob das wirklich sein muss kann, man natürlich ohne genaue Kenntnis des Befundes nicht sagen, aber ich versuche mal das ganze zu kommentieren. Meine Behandlungsphilosophie lautet: Bei maximalen ästhetischen Ergebnissen, minimalinvasiv so viel zu behandeln wie nötig, aber auch so wenig wie möglich ist. Große Füllungen durch Einlagefüllungen, bzw. durch Teilkronen zu ersetzen ist erst mal die Therapie der ersten Wahl. Im einzelnen Fall kann es nötig werden, um einen dichten Verschluss zu gewährleisten, dass man etwas Knochen vom Zahnhalteapparat entfernt, um damit quasi den Zahn zu verlängen. Ich erkaufe mir dies druch eine künstlich gesetzte Parodontose. Wenn ich Deiner Beschreibung folge, soll also eine künstliche Parodontose erzeugt werden um eine eventuell auftretende Parodontitis zu vermeiden?
Zum Implantat. Ich setze Implantate um Freiendsituationen zu vermeiden, bei Einzeltzahnlücken, wenn die begrenzenden Zähne karies- und füllungsfrei oder lediglich mit ganz kleinen Füllungen versehen sind. Um herausnehmbaren Zahnersatz zu vermeiden, oder um diesen überhaupt erst wieder einen vernünftigen Sitz zu ermöglichen. In den meisten Fällen ist man mit einer Brücke im besonderen Bridgingverfahren hergestellt, sowohl von der Ästhetik, als auch mit dem Behandlungsaufwand auf der günstigeren Seite. Aber wie schon gesagt, ohne den genauen Ausgangsbefund zu kennen, oder besser sogar noch zu sehen ist es nicht möglich einen entsprechenden Rat zu erteilen. Ich nehme auch nicht für mich in Anspruch den einzig richtigen Therapieansatz zu vertreten. Meinen Patienten empfehle ich bei so umfangreichen Arbeiten ruhig eine Zweitmeinung einzuholen, um dann besser entscheiden zu können.
Ich hoffe ich konnt ein wenig helfen
Viele Grüße
ThomasB
vielen Dank, Sie haben mir sehr geholfen - just in time sozusagen, denn gestern hatte ich einen weiteren Beratungstermin bei meinem Zahnarzt. Er hat nochmal alles ganz genau durchgesehen. Im Ergebnis sind an den meisten Stellen Teilkronen ausreichend, an 1/4 und 2/4 macht er Kronen, hier ist aber die Situation mit dem Zahnfleisch entspannter. Also erstmal keine OP
Die Brücke machen wir evtl. später. Ich kann seine Argumente schon nachvollziehen, denn die Brücke selbst ist wohl von der Passung her nicht optimal und die Kauflächen sind nicht gut gemacht. Muss auch sagen, dass ich die Brücke von Anfang an nicht "mochte" und nicht so gern drauf gekaut habe, bis ich mich natürlich dann dran gewöhnt habe... schade eigentlich, war ein Zahnarzt mit echten Luxuspreisen, der das gemacht hat. Anyway, so ist es jetzt. Ein Zahn, der die Brücke trägt, ist wurzelbehandelt und wird natürlich mit Brücker stärker belastet. Also Brücke runter ist sowieso irgendwann angesagt, wenn auch nicht dringlich, und dann muss ich mal schauen, ob ich nicht gleich lieber ein Implantat will.
Ewig halten die Brücken doch auch nicht, oder?
Ganz vielen Dank nochmal für Ihre ausführliche und fundierte Anwort!
Lg, Petra