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Thema: Der schlimmste Tag meines Lebens - Fragen zu Entzündung!

  1. #1
    Undertaker1809 ist offline Neuer Benutzer Neuer Benutzer
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    Standard Der schlimmste Tag meines Lebens - Fragen zu Entzündung!

    Hallo zusammen,

    ich würde es gerne so kurz wie möglich machen, weiß aber nicht wie da es viel zu erklären gibt. Weihnachten letzten Jahres habe ich mir meine kaputten Zähne machen lassen. Nunja, selbstverständlich hatte auch ich bedenken, aber keine wirkliche Angst. Als ich dann zum ersten mal beim Zahnarzt war (übrigens einer neuer für mich, mein alter war umgezogen), ging alles ganz schnell. Eine Woche vor Weihnachten gings los, Silvester waren wir bereits fertig (man bedenke bitte die vielen Taga dazwischen an denen geschlossen war). Komplette Zahnreparaturen (weil Teile von Zähnen beim essen weggebrochen waren), normales Löcher-stopfen, 5-6 Zähne wieder ganz in Ordnung gebracht. Ohne Schmerzen, meist mit Betäubung, ausser bei einem der bereits Tod war. Ich konnte mich zurücklehnen und entspannen und das besser als zuhause, so wunderbar hat dieser Mensch gearbeitet.

    Ich war glücklich. Bis vor 3 Wochen -.- Nun zu dem eigentlichen Problem:

    Mein Gesicht wurde dick, direkt über der oberen Zahnreihe bis zur Nase hin alles geschwollen. Es lag ein ziemlich starker Druck auf dem rechten der beiden großen Schneidezähne. Und es tat höllisch weh. Leider war es Freitag, Zahnarzt hatte bereits zu. Meine Oma (die wunderbarerweise 'ne halbe Apotheke zuhause hat) gab mir Aspirin und riet mir, immer schön zu kühlen. So hab ichs dann auch bis zum Montag aushalten können. Montag sofort angerufen. Mir wurde gesagt, ich solle gegen 11:30 kommen, wir hatten gerade 8:00...also, weiter gekühlt. Und aufeinmal hab ich gemerkt wie sich ziemlich viel Flüssigkeit in meinem Mund gesammelt hatte, so wie es durch Speichel alleine nicht möglich war. Und da wurde es mir klar: es war eine Eiter-Blase. Diese ist anscheinend durch das Kühlen geplatzt. Erstmal war ich erschrocken, war für mich eine neue Situation. Ins Bad, alles ausgespuckt, versucht mit den Fingern noch so viel wie möglich auszuquetschen. Sofort lies auch der Druck auf den Schneidezahn nach, es war richtig erleichternd. Natürlich war es noch geschwollen, aber ich konnte inzwischen darauf rumdrücken ohne direkt an die Decke zu gehen. Beim Zahnarzt angekommen (ich fühle mich immer mies wenn ich bei einem Arzt anrufe, sage es ist dringend weil es schmerzt - und dann ist es gar nicht mehr so schlimm wenn man da ankommt -.-) Aber wie schonmal erwähnt, mein Zahnarzt war nicht irgendeiner, er war in meinen Augen der Beste! Er gab mir erstmal recht das das Kühlen das Beste war, was ich in dieser Situation machen konnte. Dann kam die Behandlung: er sagte eine Betäubung wäre nicht notwendig, es handle sich dabei um den Toten Zahn. Ich hatte wieder bedenken, aber er behielt recht: ich habe nichts gespürt (ausser eben dieses Drücken und Ziehen was man eben dabei spürt aber keine Schmerzen - und das war es worauf es mir ankam) Er bohrte mir ein Loch rein, und machte noch irgendwas mit Nadeln, drehte sie in dem Loch rum, feilte ein wenig - so fühlte es sich zumindest an (ich hab keine Ahnung was, ich war einfach nur glücklich das es fast geschafft war!) Der Zahn blieb eine Woche offen um Atmen zu können und damit der Druck weiter nachlassen konnte und der übrige Eiter auslaufen konnte usw. Er legte mir noch ein Medikament in den Zahn, und sagte in einer Woche würden wir ihn wieder zumachen. Eine Woche später wurde der Zahn zugemacht. Inzwischen war ich komplett ohne Schwellungen und absolut schmerzfrei! Das Medikament soll aber nochmal gewechselt werden, ist mir aber wurscht, ich krieg davon ja eh nix mit) Jetzt beginnt der Horror-Trip: Es war wieder Freitag Abend, genauer gesagt letzten Freitag Abend ( 28.08). Ich merkte wie mein Gesicht wieder dicker wurde, aber diesmal auf der anderen Seite! Es dauert wirklich nicht lange, nach 2-3 Std. war es wieder so schlimm wie beim letzten mal, vielleicht sogar noch schlimmer. Ich war gelähmt und hatte diesmal wirklich Angst! Direkt das Kühl-pack geschnappt und alles von vorn. Es ließ nicht nach. Die ganze Nacht habe ich mich gequält, konnte überhaupt nicht schlafen. Meine Mutter war voller Sorge als sie mein Gesicht gesehen hatte und auch ich konnte mich daraufhin im Spiegel schon fast selbst nicht mehr erkennen! Ich habe sie gebeten sofort in der Zeitung nach dem Notdienst zu gucken - ich konnte nicht schon wieder leiden. Es gab nur 2 Ärzte in der Nähe die zuständig waren. Beim ersten war nur der AB, mit den Sprechzeiten am Wochenende. Bei der 2ten Ärztin war wenigstens eine Handynummer auf dem AB hinterlassen, für extreme Notfälle...ich zögerte ein wenig, habe mich dann aber doch dazu durchgerungen mich selbst als Notfall einzustufen. Meine Mutter rief für mich an, reden viel mir zu dem Zeitpunkt schon schwer. Die Ärztin war wohl nicht gerade glücklich an einem Freitag Abend gestört zu werden. Als Ausrede bekamen wir sie hätte keine Assistentin und könne mir somit sowieso nicht helfen (<- wieso, wenn man doch Bereitschaft hat?) Sie verwies uns zur Uniklinik, Zahn-Abteilung. Ich zögerte und beschloss, die Nacht abzuwarten. Wir am nächsten Tag beim Zahnarzt (der erste), dieser aber auch unwirsch und mir unsympathisch. Egal, musste ich durch...er hatte die Situation wohl kaum richtig verstanden, zog das alles ein klein wenig ins lächerliche. Ich spielte mit dem Gedanken einfach zu gehen, entschloss mich aber doch dort zu bleiben. Er begann mit der Behandlung...wie beim letzten Mal, Zahn aufbohren. Auf einmal viel mir ein das wir gar nicht über Betäubung geredet haben, aber - zu spät. Das Bohren dauerte zum Glück nicht lange, und der Schmerz war auszuhalten. Ich fragte ihn nach einer Betäubung, er sagte, das wäre nicht hilfreich bei einer Entzündung, was weiß ich. Ich hatte das Gefühl er wäre zu faul dafür, vielleicht hatte er aber auch recht, keine Ahnung. Dann kam die Stelle mit den Nadeln...es war schlimm, fast schon schlimmer als der Schmerz an sich. Ich hielt es tapfer aus, normalerweise bin ich auch kein Weichei in diesen Dingen. Dann sagte er, wir müssen den Zahn eben durchspülen. Ich dachte, gut, bisschen Wasser, kein Thema...Jahaa, Pustekuchen...es war der schlimmste Schmerz den ich jemals verspürt habe, und ich möchte einfach mal behaupten das ich weiß was wirkliche Schmerzen sind. Ich zeigte ihm das ich nicht kann, er solle aufhören...aber das schlimmste an der Sache war: er und seine Frau drückten mich zurück in den Stuhl, mit der Bemerkung "ist gleich vorbei". Ich habe mich irgendwie loskämpfen können, vielleicht war er auch fertig, ich weiß es nicht. Ich sprang auf, und stand auf einmal nur da...gelähmt von diesen Schmerzen, diesem Schock. Ich hatte Panik! Das war der schlimmste Augenblick in meinem Leben - und ich hatte schon Situationen hinter mir bei denen andere Menschen sich freiwillig umgebracht hätten! Ich wollte mir lieber beide Arme brechen und einen Schiffsknoten daraus machen, als das nocheinmal über mich ergehen zu lassen. Er wollte noch irgendwas machen, ich habe aber abgelehnt (ich weiß ehrlich gesagt nicht was...ich sah alles doppelt, hörte wie durch einen Tunnel). Irgendwie hatte er mich aber dazu gekriegt noch auf ein Plättchen zu beißen (ich weiß nicht wofür das gut sein sollte...Zahnabdruck? Stell ich mir anders vor). Egal, es war vorbei. Sie sagten ich solle mich noch kurz ins Wartezimmer setzen, sie würden mir noch ein Rezept ausstellen. Meine Mutter wartete dort auf mich, warf mir einen fragenden Blick zu als ich mit Tränen in den Augen einfach nur da stand. Ich bekam mein Rezept, und seltsamerweise habe ich mich dennoch beim Arzt bedankt...wofür? Das er alles schlimmer gemacht hat als es war? Wir kommen am Auto an, ich setze mich...und dann...tja...Nervenzusammenbruch! Ich konnte nicht mehr. Ich fing an zu weinen, wegen dem Schmerz, dem Schock, ich weiß es nicht. Es waren nicht einfach Tränen...es ist schwer zu beschreiben. Ich konnte in diesem moment nicht richtig denken. Schnell noch von einer Apotheke in die andere (weil seltsamerweise überall dieses Medikament vergriffen war -.-) an der 5ten Apotheke endlich erfolgreich. Nach hause. Sofort erste Tablette genommen und dann ins Bett. Ich weiß nicht wielange es gedauert hat bis ich eingeschlafen bin, wahrscheinlich bin ich durch die Erschöpfung übers Weinen eingeschlafen. Nur ein paar Std. schlaf, aber danach ging es mir besser. Vorerst keine Schmerzen. Das einschlafen am Abend war dann auch nicht mehr ganz so problematisch wie sonst vorher. Das ganze war gestern. Morgen bin ich wieder bei meinem Zahnarzt, der ja aber logischerweise noch gar nichts von diesem Horror-Wochenende weiß.

    Ich würde jetzt gerne einfach wissen ob sich jemand mit der ganzen Situation identifizieren kann/ähnliche Erfahrungen gemacht hat. Ich nehme zurzeit 3 mal täglich Sobelin 300mg als Antibiotika, und 3 mal Ibuprofen 400mg gegen die Schmerzen. Auch da wäre ich über Erfahrungsberichte und/oder Kritik an den Medikamenten gegenüber sehr dankbar.

    Ich habe natürlich schon gehört das manche Entzündungen auch schonmal aufgeschnitten werden müssen. Dies befürchte ich bei mir, weil die Schwellung mittlerweile bis hoch zum Auge gezogen ist. Auf der einen Gesichtshälfte sehe ich aus wie ein Europäer, auf der anderen wie ein Asiate. Das gute daran: Es tut in dem Bereich nicht weh. Nur an der Zahngegend! Aber 1. wer weiß wielange das schmerzfrei bleibt, und 2. wer weiß ob das alleine/mithilfe der Medikamente zurückgeht...!?

    Zum Abschluss möchte ich noch sagen, das ich Panik habe vor dem Termin morgen. Wer weiß wie mein Arzt darauf reagieren wird, wie er handeln wird. Wenn eine örtliche Betäubung wirklich nicht wirken sollte, was dann? Ich lasse das Programm nicht nochmal zu, einmal hat mir gereicht. Wäre es eventuell möglich, in der Uniklinik/Zahnklinik das alles unter Voll-Narkose machen zu lassen? Und wie sieht das dann mit der Krankenkasse aus? Wie gesagt, ich bin über jede Hilfe dankbar, auch über schlechte Erfahrungsberichte. Ich möchte einfach nur wissen was noch auf mich zukommt, bin lieber vorbereitet!

    Liebe Grüße und Danke im voraus,
    Hendrik

  2. #2
    Avatar von frank
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    Hallo Hendrik,

    Deine Leidensgeschichte kann ich gut nachvollziehen. Ich versuche mal, Deine Fragen abzuarbeiten:

    - zur Wirkungsweise von lokalen Betäubungsmitteln kann ich bestätigen, daß diese bei starken Zahnschmerzen kaum oder gar nicht wirken. Grund ist, daß der pH-Wert im entzündeten Gewebe niedriger ist als in gesundem Gewebe und die Anästhetika dadurch deutlich weniger wirken. Das ist für uns Zahnärzte immer vor allem dann ein Problem wenn Patienten zu uns kommen, die erst dann in die Praxis gehen wenn die Zahnschmerzen gar nicht mehr auszuhalten sind. Gerade bei denen ist dann die Behandlung schmerzhafter als wenn sie früher zu uns gekommen wären, was ihre Zahnarztangst weiter verstärkt - ein Teufelskreis.

    - eine Vollnarkose bezahlt die Krankenkasse leider nur wenn ein psychologisches Gutachten vorliegt, die dem Patienten eine Zahnarztphobie bescheinigt. Ansonsten muß der Patient die Kosten für die Narkose selbst bezahlen (Preis je nach Dauer der Behandlung ca. 200 - 400,- Euro).

    - Deine Zahnschmerzen an den beiden Frontzähnen sind jetzt aufgetreten - etwa 8 Monate nach der Sanierung. Es kann Zufall sein, daß so kurz hintereinander sich beide Frontzähne massiv entzündet haben. Hattest Du evtl. in letzter Zeit eine stärkere Erkältung, so daß evtl. Bakterien von den Nasennebenhöhlen zu den Zähnen gelangt sein könnten?
    Fakt ist, daß die Zahnärzte richtig gehandelt haben, indem sie den jeweiligen Zahn eröffnet haben und ihn auch offen gelassen haben, damit die gasbildenden Bakterien eliminiert und das Gas entweichen konnte. Das Feilen im Zahn dient dazu, das Gewebe zu entfernen und den Zahn zusammen mit der Spülung von innen zu reinigen. Zusammen mit dem Antibiotikum (-> Sobelin) soll die Entzündung beseitigt werden. Erst wenn der Zahn nach 8-10 Tagen ruhig ist und keinerlei Schmerzen mehr vorhanden sind, sollte er gefüllt werden.

    - bei der von Dir beschriebenen "Eiter-Blase", die geplatzt ist, handelt es sich um einen Fistelgang. Dieser Fistelgang entsteht, wenn sich im Knochen Eiter bildet, der sich einen Abfluß sucht. In vielen Fällen bildet sich der Abfluß quer durch den Knochen bis nach außen unter das Zahnfleisch, wo der Eiter nicht weiter kann und dadurch das Zahnfleisch schmerzhaft auftreibt bis die Spannung irgenwann so groß wird, daß es einreißt und der Eiter abfließt. Die Schwellung bis zum Auge ist dadurch begründet, daß die Oberkieferfrontzähne lange Wurzeln haben, der Eckzahn selber hat die längste Wurzel und wird oft auch als "Augenzahn" bezeichnet. Die Schwellung dort nimmt aber bald wieder ab sofern die Entzündungsursache beseitigt wurde.

    - Die Behandlung am Montag sollte auf jeden Fall angenehmer sein als das Erlebnis beim Notdienst am Wochenende. Der Eiter sollte abgeflossen sein und durch das Antibiotikum geht die Entzündung langsam zurück, wobei die Wirkung des Antibiotikums erst nach 2-3 Tagen richtig einsetzt. Bei der Aufbereitung des Zahnes kann es zwar noch mal zwicken, aber da die lokale Betäubung jetzt wieder besser wirkt, ist das auszuhalten. Sind die Schmerzen doch noch zu groß, dann besser noch ein paar Tage abwarten, das Antibiotikum wirken lassen und erst Ende der Woche einen weiteren Behandlungsversuch starten. Eile ist hier fehl am Platz, denn der menschliche Körper braucht seine Zeit, um sich zu regenerieren.

    Viele Grüße und gute Besserung,
    Frank

  3. #3
    Undertaker1809 ist offline Neuer Benutzer Neuer Benutzer
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    Hallo Frank,

    erstmal Danke für Deine Antwort. Bist du Hellseher? Es stimmt, die Behandlung heute war wirklich nicht ganz so schlimm. Mein Arzt hat eine Betäubung verwendet, gemerkt habe ich dennoch was. Aber war wirklich nicht so schlimm, es war auszuhalten und auch einigermaßen schnell wieder vorbei. Er hat mir heute noch eine Blase aufgemacht die wohl durch das Öffnen des Zahnes nicht so entlastet wurde wie angenommen. Morgen soll ich nochmal kurz zum Nachgucken kommen, aber ich denke das ich dann wirklich erstmal ne Woche Ruhe habe. Das Medikament in dem einen Zahn von vor 2 Wochen wurde auch gewechselt und - wie immer - ich habe nichts gemerkt. Der zweite Zahn bleibt jetzt auch noch vorerst offen. Ich weiß nicht ob es nur an dem Sobelin lag oder auch am kühlen, auf jedenfall ist die Schwellung etwas zurückgegangen, und ich sehe nicht mehr wie ein Monster aus

    Was mir jetzt noch ein wenig zu Bedenken gegeben hat: mein Arzt hatte mich gefragt ob ich am Wochenende geröntgt wurde und ja, wurde ich. Er wollte sich das Bild heute noch kommen lassen, da er vermutet das der Arzt vom Notdienst eventuell nicht ganz richtig gehandelt haben könnte. Das er den Zahn geöffnet hat, hat den Druck natürlich vermindert, allerdings wäre es möglich das das ganze von einem der beiden daneben hätte stammen können. Ich bin gespannt, hoffentlich bekomme ich morgen eine Antwort darauf.

    Vielen Dank und schöne Grüße,
    Hendrik

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