Sie sind hier:
| Plötzlicher Kindstod: US-Pädiater empfehlen Schnuller |
|
WASHINGTON. Säuglinge sollten auf dem Rücken und in ihrem eigenen Bett auf einer festen Matratze schlafen. Dies fordern US-Pädiater in ihrer neuen Leitlinie zur Prävention des plötzlichen Kindstods (sudden infant death syndrome, SIDS). Neu ist die Empfehlung, die Kinder mit einem Schnuller einschlafen zu lassen. Bedenken hinsichtlich der Zahnentwicklung werden zurückgestellt. SIDS sei noch immer die häufigste Todesursache für Säuglinge jenseits der Neonatalperiode, heißt es in den Empfehlungen, die in der Novemberausgabe von Pediatrics (2005; 116: 1245-1255) erscheinen werden. Unter SIDS werden dabei alle Todesfälle subsumiert, für die sich keine Ursache finden ließen und ein Fremdverschulden ausgeschlossen werden konnte. In den letzten Jahren wurden zahlreiche epidemiologische Studien durchgeführt, die einige Risikofaktoren aufgedeckt haben. Dazu gehören die Bauchlage des Säuglings, das Schlafen auf einer zu weichen Unterlage, das Rauchen der Mutter während der Schwangerschaft, eine zu hohe Raumtemperatur im Schlafzimmer, eine verspätete oder fehlende Schwangerschaftsbetreuung, ein junges Alter der Mutter, Frühgeburten/niedriges Geburtsgewicht und männliches Geschlecht des Kindes. SIDS tritt nach Angaben der „SIDS Task Force“ auch häufiger bei Afroamerikanern und bei Indianern auf, wo die Rate zwei- bis dreifach über dem US-Landesdurchschnitt liegt. Die Säuglinge sollen möglichst in der Rückenlage schlafen. Die Seitenlage wird abgelehnt, da sich viele Säuglinge dann von selbst auf den Bauch drehen und möglicherweise in den viel zu weichen Kissen oder Unterlagen ersticken könnten. Auch andere weiche Objekte wie Schaffelldecken oder Stofftiere sollten aus dem Bett verschwinden. Keinesfalls sollten die Kinder im Bett der Eltern schlafen. Akzeptabel sei aber, wenn das Kinderbett im elterlichen Schlafzimmer steht. Der Säugling sollte leicht bekleidet schlafen, aber nicht in einem überhitzten Raum, wie dies in vielen US-Haushalten offenbar üblich ist. Abgelehnt werden auch die zahlreichen technischen Geräte, die etwa in der Windel platziert werden und die Eltern warnen sollen, wenn ihr Baby nicht mehr atmet. Die Wirkung dieser Geräte sei nicht erwiesen, heißt es in den Leitlinien. Die Task Force geht auch auf eine angebliche Komplikation der Rückenlage ein, die als „positionelle Plagiocephalie“ bezeichnet wird. Sie beschreibt eine Abflachung des Hinterkopfes. Ob sie wirklich eine Folge der Rückenlage ist, erscheint zweifelhaft, ebenso wie es keine Belege aus bevölkerungsbasierten Studien gibt, die eine Zunahme dieser Störung belegen. Dennoch empfiehlt die Task Force, die Kinder im Wachzustand des Öfteren auf den Bauch zu drehen, was als „tummy time“ bezeichnet wird. Um Haltungsschäden zu vermeiden, sollten die Kinder nicht zu viel Zeit in Auto-Kindersitzen verbringen. Der Ratschlag, Kinder mit einem Schnuller einschlafen zu lassen, dürfte zu Diskussionen führen. Diese Praxis wird von Zahnärzten abgelehnt, die eine Störung der Zahnentwicklung befürchten. Doch diese Bedenken sind nach Ansicht der Task Force nicht überzeugend genug, um den Einsatz von Schnullern zu diskreditieren. Den Einwand, dass Schnuller zu einer Abnahme der Stillfrequenz führen, lassen die Autoren allerdings gelten. Deshalb sollten die Schnuller erst nach dem ersten Lebensmonat eingesetzt werden. Die Kinder sollten mit dem Schnuller einschlafen. Weder solle er schlafenden Säuglingen in den Mund gesteckt werden, noch dürften Schnuller-Verweigerer zu dieser „lebensrettenden“ Maßnahme gezwungen werden. Während die meisten Eltern den Ratschlag begrüßen dürften – bezeichnend ist die englische Bezeichnung „Pacifyer“ für den Schnuller –, werden die Pädiater dem Ratschlag eher kritisch gegenüberstehen. Sie befürchten unter anderem, dass Schnuller eine Otitis media oder andere Infektionen begünstigen. Um für ihre Empfehlung zu werben, berufen sich die Autoren auf die internationale Akzeptanz des nächtlichen Schnullers. Genannt werden auch die Empfehlungen der Gemeinsamen Elterninitiative Plötzlicher Säuglingstod (GEPS) Nordrhein-Westfalen e.V. Darüber hinaus wird mit einer Meta-Analyse aus sieben Fall-Kontroll-Studien argumentiert, zu der es eine gesonderte Publikation in Pediatrics (2005; 116: 3716-e723) gibt. Den Berechnungen von Fern Hauck von der Universität von Virginia in Charlottesville zufolge sterben Kinder, die gewöhnlich Schnuller benutzen, zu 29 Prozent seltener an SIDS (summary odds ratio SOR 0,71; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,59-0,85). Schlafen sie mit Schnuller ein, soll die Rate um 61 Prozent sinken (SOR 0,39; 0,31-0,50). Die Autoren geben sogar eine „Number needed to treat“ an: Danach kommt auf 2 733 nächtliche Schnullerträger ein vermiedener SIDS./rme Ärzteblatt American Academy of Pediatrics ABSTRACT Empfehlungen der Gemeinsamen Elterninitiative Plötzlicher Säuglingstod (GEPS) Nordrhein-Westfalen e.V. |







